Eine Kurzgeschichte über die Weiberzeche
Im Strom- und Heuchelberggebiet ist die so genannte Weiberzeche ein alter Brauch, der bislang in neun Orten des ehemaligen Oberamts Brackenheim nachgewiesen werden konnten. In Botenheim, Cleebronn, Eibensbach, Häfnerhaslach, Kleingartach, Meimsheim, Nordheim, Ochsenbach und Spielberg wurde den Ehe- und Wittfrauen einmal jährlich auf dem Rathaus – auf Kosten der Gemeinde – Wein (knapp ein Liter pro Person) und Brot gereicht. Von diesen Weiberzechen ist die Kleingartacher die älteste bezeugte. Dort hatten die Frauen sogar eine Weiberfahne, die sie anlässlich ihrer Zeche auf dem Rathaus hissten. Die Kleingartacher Weiberzeche wurde aber schon 1607 verboten. Am längsten hielt sich der Brauch in Ochsenbach, wo die Weiberzeche 1836 zum letzten Mal begangen wurde.
Überregionale Bekanntheit erreichten die Weiberzechen unserer Gegend,
als man 1790 in der „Schwäbischen Kronik“, der Beilage
des „Schwäbischen Merkur“, über sie berichtete.
Insbesondere wurde dabei auf die als „Bauren-Fastnacht“ bezeichnete
Ochsenbacher Weiberzeche eingegangen.
Bei der Weiberzeche ging es ausgelassen zu. Von kirchlicher Seite wollte man
diesen Brauch deshalb auch immer wieder verbieten. So in Meimsheim 1731, wo es
heißt, dass auch schon Männer zur Weiberzeche eingeladen worden seien.
Da ist von Tanz, „ungeziemenden Narreteiungen“ und „groben
Zoten“ die Rede.
In
Kriegszeiten und in Jahren mit Fehlherbsten haben die Gemeinden die Weiberzeche
verschoben mit der Begründung, dass unter diesen Umständen die Kosten
der Zeche für die Gemeindekasse nicht zumutbar seien. Dagegen haben sich
die Frauen gewehrt, manchmal sogar mit Erfolg.
1798 versuchte der Ochsenbacher Gemeinderat den Brauch abzuschaffen. Da gingen
am 13. März vier Frauen mit Äxten in das „Gemeinde-Eichenwäldle“ und
drei, die vierte stand wahrscheinlich Wache, hieben eine der stärksten Eichen
um, worauf sie ihre Zeche wieder erhielten. Die Männer der vier Frauen aber
mussten eine Waldstrafe für ihre aufgebrachten Ehehälften bezahlen.
Die Weiberzeche ist ein spannendes Thema, mit dem ich mich seit langem beschäftige.
1992 bin ich auf sie gestoßen, als ich das Heimatbuch Botenheim schrieb.
In den Botenheimer Bürgermeisterrechnungen fand ich erstmals Angaben über
die „nach alter Observanz“ ausgeübten Zeche.
